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Outtake Mafia: Zwei Makler-Szenen

von Thomas Poppner

Als ich mich damit abgefunden hatte, in der Story satirische Züge zu akzeptieren, war der Weg frei für sogenannte Auffüllszenen.

Mir war es damals wichtig, die Handlung immer wieder durch Szenenwechsel zu unterbrechen. Meistens klappte das organisch, aber manchmal brauchte man etwas auf Halde, das man mal einfügen konnte.

Diese beiden kurzen Szenen fand ich ganz unterhaltsam. Sie kamen nicht zum Zug, weil sie die ohnehin schon lange Story nur unnötig aufgebläht hätten. Und die Organisation wirkte auf mich ohnehin schon etwas zu brav, was durch hierdurch noch unterstrichen worden wäre.

»Sie werden die Wohnung lieben«, sagt Frau Klein-Funcke, während sie einem gut gekleideten Ehepaar die Tür der Penthouse-Wohnung im 6. Stock aufschließt. Verheißungsvoll gibt sie ihr einen Schubs, sodass sie sich langsam öffnet. Dazu macht sie eine wegweisende Handbewegung und bedeutet dem Ehepaar einzutreten.

»Hören Sie …?«, fragt Frau Klein-Funcke, während sie die Hand ans Ohr hält. »Hören Sie, wie ruhig es hier ist?« 

Ohne das Nicken ihrer Besucher abzuwarten, redet sie weiter. »Sie sind hier mitten in der Stadt. Absolut zentrale Lage. Und warten Sie, bis Sie dieses Panorama sehen. Ihre Dachterrasse hat über 100 Quadratmeter und Sie schauen geradewegs über den Stadtpark und die Promenaden auf den Fluss. Traumhaft!«

Schon hastet Frau Klein-Funcke an ihren Gästen vorbei und will die Tür zur Dachterrasse öffnen, da deutet der männliche Besucher auf den Boden. »Wird das Parkett noch erneuert?«

»Erneuert?«, fragt die Maklerin. »Warum das? Ist etwas nicht in Ordnung?«

»Sind doch lauter Löcher im Parkett«, sagt der Besucher und macht eine empörte Handbewegung, als ob er ihr eine verhauene Prüfung vor die Füße wirft.

Frau Klein-Funcke kommt sichtlich derangiert auf den Herrn zu, während seine Frau zurück zur Wohnungstür geht und sie öffnet.

»Wo sind denn hier Löcher?«, fragt Sie unterdrückt empört.

»Dort«, sagt der Besucher, zieht eine Pistole und schießt zweimal ins Parkett. 

»Und dort!« 

Er schießt noch zweimal.

»Und das Fenster da ist auch kaputt!« 

Klirrend zerfetzt ein weiterer Schuss die Scheibe, während zwei düstere Schlägertypen die Wohnung betreten. 

»Die Einbauküche ist auch nicht in Ordnung!«, ruft jemand von draußen. Dumpfe Schläge sind zu hören, Fenster klirren. 

»Und hier im Bad ist ein Wasserschaden«

Frau Klein-Funcke hört ein kurzes Bohren. Dann schaut sie in eine aufgehaltene Hand: »Geben Sie mir bitte den Wohnungsschlüssel. Ich will sehen, ob wenigstens das Schloss funktioniert!«

Wie in Trance legt sie den Schlüssel in die Hand ihres Besuchers.

»Ach, und leihen sie mir bitte kurz Ihr Handy!«, befiehlt eine Stimme, der Frau Klein-Funcke wie hypnotisiert folgt.

Der Mann wirft das Telefon aus der geborstenen Fensterscheibe und hält aufmerksam die Hand ans Ohr, während er der Maklerin in die Augen sieht.

»Tatsächlich«, sagt er. »Man hört nichts. Nicht mal, wie es aufschlägt.«

Frau Klein-Funcke steht starr vor Angst im Raum, als der Mann sie noch einmal anspricht: »Melden Sie sich bitte bei uns, sobald alles repariert ist. Wir würden die Wohnung gern noch mal in einwandfreiem Zustand besichtigen, bevor wir uns entscheiden.«

Kurz darauf hört man, wie sich von draußen ein Schlüssel im Schloss dreht. Man hat sie eingeschlossen. 

Regungslos steht Frau Klein-Funcke in der Mitte des Wohnzimmers und sieht zu, wie sich langsam eine Pfütze über dem Parkett ausbreitet.

Frau Bergmann steht mit fragendem Blick in der Tür, als zwei dunkel gekleidete Männer mit stampfenden Schritten die Treppe herunterkommen. Als der Erste sie sieht, spricht er sie an: »Haben Sie auch gerade Schüsse gehört?«

»Ja, … ja, habe ich«, antwortet Frau Bergmann aufgeregt.

»Wir sind von der Polizei. Dürfen wir kurz in ihr Wohnzimmer?«, fragt der Mann.

»Aber selbstverständlich«, antwortet Frau Bergmann hilfsbereit und öffnet die Tür vollständig.

Die beiden Herren treten ein. 

»Wo ist Ihr Wohnzimmer?«, fragt der eine Herr zielstrebig.

»Dort entlang!« Frau Bergmann zeigt in den Flur. Als sie die beiden einholt, stehen sie prüfend vor ihrem Fernseher.

»Das habe ich mir gedacht«, sagt der eine.

»Gedacht? Was gedacht? Ist etwas nicht in Ordnung?«, erkundigt sich Frau Bergmann nervös.

»Ihr Fernseher ist kaputt!«

»Kaputt? Nein, er funktioniert prima!«

Einer der Herren klopft vorsichtig prüfend auf die Projektionsfläche. Dann ergreifen die beiden Frau Bergmanns Fernseher und werfen ihn durch die geschlossene Fensterscheibe, die mit lautem Klirren zerspringt.

Prüfend schaut der eine Mann den anderen an. »Viel besser«, sagt er. Der andere nickt. 

Die beiden stoßen Frau Bergmann zur Seite und verlassen mit schmutzigem Grinsen die Wohnung.

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